Wolfram Nolte

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von Johannes Heimrath

hätte ich spontan einen Menschen nennen sollen, der für mich der Inbegriff der Liebenswürdigkeit sei, wäre mir immer Wolfram Nolte eingefallen.

Freilich wäre es höchst einseitig, die komplexe Gestalt, als die ich Wolfram bei unseren – im Rückblick viel zu seltenen – physischen Begegnungen wahrgenommen habe, nur auf dieses hervorragende Kennzeichen zu verkürzen. Aber es hat die Zusammenarbeit mit ihm über zwei Jahrzehnte so angenehm und flüssig gemacht, wie man es sich nur wünschen kann.

Wer sich als Menschheitsmensch der Notwendigkeit gemeinschaftlichen Lebens ähnlich tief und so lange schon verpflichtet fühlt wie ich, wird Wolframs Dahinscheiden als bemerkenswerten Augenblick in seiner Biografie vermerken: Es sind ja nicht allzu viele Persönlichkeiten seiner und meiner Generation – er war sechs Jahre älter als ich – bekannt oder noch am Leben, die derart starke Fundamente für das, was heute die Bewegung der intentionalen (auf Freiwilligkeit basierenden) Gemeinschaften soziokulturell-ökologischen Zuschnitts prägt, gelegt haben, wie Wolfram Nolte es getan hat. Damals, als die Gemeinschaft, zu deren Gründungsmitgliedern ich mich noch immer dankbar zählen darf, erst wenig öffentlich bekannt war, gab ich ein Magazin namens KursKontakte – die Vorläuferin von Oya – heraus. Als ich mitbekam, dass Wolframs publizistische Bemühung zur Verbreitung seiner europäischen Utopie eines gesellschafts-gestaltenden Netzwerks von Ökodörfern ein zweites Mal wegen mangelnder Finanzierung des Magazins, das ihn und seine »Eurotopia«-Idee Huckepack genommen hatte, gescheitert war, sah ich keine andere Möglichkeit, mich solidarisch zu erweisen, als ihm acht ständige redaktionelle Seiten in KursKontakte anzubieten. Sein Beitrag zu einer Zukunft, die wir heute mit der Eigenschaft »enkel-tauglich« – das Wort gab es seinerzeit noch nicht – gestalten wollen, ja müssen, erschien mir als unverzichtbar. Das Angebot nahm er gerne an, versicherte sich aber der Mitwirkung seines Freundes Dieter Halbach. Unter der Feder-führung der beiden entstanden nun Beiträge, die in der »alternativen Szene« ein wachsendes Bewusstsein für die Existenz und die Ziele von gemeinschaftlich getragenen Projekten schufen und viele junge Menschen inspirierten. Selbstredend zogen Wolfram und Dieter später mit in das neue Magazin Oya um.

Und Dieter, der seit Wolframs Krebserkrankung die Oya-Rubrik »Gemeinschaft« alleine verantwortet, ist nun übrig. Auch ich bin übriggeblieben – und nahm die Nachricht vom lange erwarteten, dennoch auch in diesem Fall als »-unzeitig« empfundenen Tod unseres lieben Freundes als Memento: Halte inne! Sei dir bewusst, dass du sterblich bist. Dass dein Bemühen endlich ist. Dass mit deinem Ende nicht alles zu Ende ist. Dass deine Generation beizeiten losslassen muss, es Anderen, Jüngeren überlassen muss, die Utopie weiterzuleben. Und das tut sie, die junge Generation. Unüberhörbar. Kaum eine und einer jener Jungen, die heute – endlich, endlich! – weltweit ihre Stimme erheben, hat je von einem liebenswürdigen Menschen namens Wolfram Nolte gehört. Doch er ist einer -ihrer würdigen Ahnen. Möge sein Gedenken in einigen Herzen lebendig bleiben. In meinem, das kann ich sicher sagen, wird für ihn immer ein Licht brennen.

Amo ergo sum – ich liebe, darum bin ich: Das war Wolframs Motto. Herzlich,

Ihr Johannes Heimrath (Herausgeber)

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